Die Apartheid in Südafrika und der Israelische Zionismus
Eine vergleichende Studie

Dr. Magdy Hammad

Es handelt sich hier um eine vergleichende Studie der Apartheid in Südafrika mit dem israelischen Zionismus. Die zentrale Hypothese der Studie ist, dass beide Probleme von einer einzigen theoretischen Perspektive aus analysiert werden können, welche auf dem Konzept des Siedlerregimes beruht, das in der Praxis sowohl den Kern der Apartheid als auch des Zionismus verkörpert.

Das Wesentliche ist, dass die Wurzeln der beiden Probleme einen gemeinsamen historisch-sozialen Ausgangspunkt haben. Sie stehen beide in Verbindung mit der sozialen Struktur und den politisch-ökonomischen Interessen der westlichen Staaten, die ihnen alle Formen der Unterstützung gewährt haben. Im Falle Israels setzen sie nach dem Zusammenbruch der Apartheid in Südafrika damit fort. Es muss betont werden, dass sich die Studie auf die Zeit der Apartheidregierung in Südafrika beschränkt. Sie beginnt mit der Darlegung der strukturellen Ähnlichkeiten in den beiden Fällen, untersucht das Phänomen von Siedlerstaaten und ihre vorherrschenden politischen Systeme und beleuchtet die Zukunft Israels im Lichte der Veränderungen, deren Zeugen wir in Südafrika waren. Weiters wird dieses theoretische Rahmenwerk auch der palästinensischen nationalen Bewegung helfen, den Glauben an eine schnelle Lösung aufzugeben. Ähnlich wie auch der Sache des Gegenübers eine feste Basis gegeben wurde, soll es außerdem dabei helfen, die palästinensische Sache wissenschaftlich und politisch zu festigen. So bleibt der Konflikt nicht länger eine Frage von "Grenzen" und von "Rückzug", sondern vielmehr eine Frage von "Überleben" und von einer "Gesellschaft", deren Aufbau den heutigen Idealen der Menschheit entgegensteht.

In letzter Konsequenz geht es nicht um einen "Disput", der mehrere souveräne Staaten umfasst, sondern vielmehr um einen Konflikt zwischen allen arabischen Menschen auf der einen und einer kolonialistischen Siedlerstruktur auf der anderen Seite.

1) Kolonisierung: Wahrnehmung und Verhalten

Es ist bekannt, dass Kolonialismus im Allgemeinen und Siedlerkolonialismus im Speziellen auf bestimmten rassistischen Annahmen basiert, die von der Behauptung der ethnischen Überlegenheit der "westlichen Zivilisation" und des "Weißen Mannes" herrühren.

Diese rassistischen Annahmen legitimierten ihrerseits in den Augen der Kolonialisten das Eindringen von "Fremden" aus dem Westen in die Kontinente der Welt.

Das bedeutet, dass die Annahme der Überlegenheit die Kolonisierung begleitete und organisch mit ihr verschmolz. Lord Balfour, der eine wesentliche Rolle für das Schicksal Palästinas und Südafrikas spielte, beschrieb Kolonisierung als Ausdruck der "gereiften Rechte und Privilegien" der europäischen Rassen. Ein anderer Forscher fügte hinzu, dass die europäische Kolonisierung damit begann, dass dem weißen Mann das Recht zugesprochen wurde, die Zivilisation auf die weniger zivilisierten, indigenen Völker zu übertragen, indem ihr Land besetzt wurde, selbst wenn das die "Liquidierung der indigenen Völker" bedeutet hat. Es ist zweifellos ein grotesker Weg, Völkern die Zivilisation zu bringen, indem sie vernichtet werden [1].

So wurde es im 19. und 20. Jahrhundert unter den europäischen kolonialistischen Mächten Usus, nicht-europäische Gebiete als "Niemandsland" zu betrachten. Obwohl es zur Doktrin für viele Kolonialisten wurde, bedeutet dieses Konzept nicht unbedingt unbewohntes

Land. Es schloss natürlich das Konzept von "Zivilisierung" und "Europäisierung" mit ein. So sollte die angebliche "Mission des Weißen Mannes" darauf hinzielen, diese Leerräume zu füllen, die Territorien zu entwickeln und, wenn ihre Anwesenheit nicht geleugnet werden konnte oder ihre Vernichtung nicht vollständig vollzogen wurde, die "Eingeborenen" zu zivilisieren. Kolonisierung wurde entweder durch die Leugnung der Existenz oder durch die Leugnung der Existenzberechtigung der indigenen Bevölkerung durchgeführt. Gleichzeitig wurde ein System von Mythen ins Leben gerufen. Es schloss den Glauben mit ein, dass das Land "leer" sei und niemandem gehöre. Ähnlich wurden Stereotype über die indigene Bevölkerung verbreitet, indem sie unabwendbar mit Versagen und Inkompetenz in Verbindung gebracht wurde [2].

Diese Mythen weiteten sich bald zur "göttlichen Mission" aus, die sowohl von den Siedlern in Palästina als auch in Südafrika beansprucht wurde. In der Praxis spiegelte das Verhalten der Siedlergemeinden gegenüber der indigenen Bevölkerung diese "Wahrnehmung" in zwei wesentlichen Richtungen wider. Erstens schloss es die Anwendung der verschiedenen Formen von Gewalt ein, um die indigene Bevölkerung zu vernichten und schließlich ihre Sache auszulöschen. So geschehen in den USA und in Australien. Zweitens die Ausübung verschiedener Formen von Rassismus, der die Rückkehr zur Gewalt gegen die indigenen Menschen, welche die Siedler nicht töteten oder vertrieben, ermutigte. So müssen die Konzepte der "rassischen Beziehungen" und des "Rechtes auf Rückkehr" innerhalb des Rahmens des Siedlerkolonialismus bestimmt werden.

Kurz gesagt stellt die koloniale Herkunft dieser Strukturen und ihr Auftreten im Zuge des Kolonialismus sie in Widerstreit zu den ursprünglichen Besitzern des Landes. Dieser grundlegende Widerspruch bestimmte durchgehend die Wesenszüge und die Dynamik des "neuen Staates" in den verschiedenen Phasen seiner Entwicklung, sogar nachdem dieser zu einem gewöhnlichen Staat geworden war. Ein bemerkenswertes Beispiel sind die USA, wo bestimmte gesellschaftliche Funktionen und Dynamiken unmittelbar mit dem Kolonialismus zusammenhängen. Welty betrachtete diese Dialektik im Verhältnis der Herren und der Sklaven zueinander, welches ebenfalls die innere Bewegung des politischen Siedlerregimes repräsentierte [3].
Unterdessen strich Van den Berghe heraus, dass die Siedler politisch die "Herrenvolkdemokratie" übernahmen.
Es ist ein zweigeteiltes politisches System, das eine parlamentarische Demokratie für die Siedler auf der einen Seite und ein kolonialistisches Regime für die indigene Bevölkerung auf der anderen Seite umfasst [4].
Die Siedler regieren sich selbst durch ein liberales demokratisches System und zwingen der indigenen Bevölkerung, solange deren Existenz noch wirkungsvoll ist, die politische und soziale Unterdrückung auf.
Diese Dualität spiegelt sich deutlich in den verschiedenen Dimensionen des Siedlerregimes wider, sei es politisch, ökonomisch oder kulturell.
Ohne Zweifel streiten diese Trends direkt die Existenz der indigenen Bevölkerung ab und widersprechen ganz und gar ihrem Interesse. Die "Existenz" der indigenen Bevölkerung selbst wird zum "Problem". Patrick Ketly bemerkte über die weißen Siedler in Rhodesien: "Man kann nur fühlen, dass die weißen Siedler Rhodesiens in der Tiefe ihres Herzens eine stille Sehnsucht haben, dass die Afrikaner verschwinden" [5]. Diese "stille Sehnsucht" nimmt verschiedene Formen an, von Versuchen der Ausrottung und Ausweisung bis hin zur geographischen und gesellschaftlichen Isolierung.

2) Die Legitimität des Siedlerstaates

Das kollektive Bewusstsein der Siedler wird beständig durch die Notwendigkeit geprägt, ihre Anwesenheit zu legitimieren, in einer Region, die ihnen nicht gehört, und auf Kosten einer Bevölkerung, die keine Feindschaft gegen sie hegt.

a) Das Prinzip der Rückkehr in ein versprochenes Land

Die Siedler in Israel und in Südafrika glauben, dass sie eine historisch-religiöse Mission haben, die ihnen aufträgt, in ein "gelobtes Land" zurückzukehren. In beiden Fällen ist das eine Widerspiegelung des gemeinsamen biblischen Hintergrundes.[6]

In Hinblick auf Israel erklärte Ferblovski: "wenn es ein erwähltes Volk gibt, gibt es ein erwähltes Land (oder ein versprochenes Land), und wenn die Juden nicht nur eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamem theologischen Glauben sind, sondern, wie sie glauben, ein Volk mit einem historischen Bewusstsein, ist die Verbindung zum versprochenen Land Teil ihres direkten historischen Bewusstseins, ihrer Religion und ihrer nationalen Identität." [7]. Bezeichnend dafür ist, dass das zionistische politische Denken durch eine mythische Vision dominiert ist: Es gibt eine integrale Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und "dem Land Israel". Gott gab dieses Land seinem auserwählten Volk, und diejenigen, die an das Alte Testament glauben, können nicht anders als diesem Ruf zu antworten. So sind die Israelis nach viertausend Jahren ihrer "nationalen" Geschichte zu ihrem "gelobten Land" zurückgekehrt. Auch in Südafrika sahen die "Afrikaaner" ihr "historisches Recht", ihren nationalen und religiösen Mythen zu entsprechen. Die frühen holländischen Siedler, die Vorgänger der gegenwärtigen Afrikaaner, landeten in Südafrika, als sie den, wie sie es nannten, religiösen Tumulten und der Unterdrückung im Europa des 17. Jahrhunderts entflohen. Gott, so behaupteten sie, habe ihnen ein neues Land und ein neues Leben gegeben. Diese religiöse und kulturelle Verbindung mit dem Land wurde durch drei Jahrhunderte des Kampfes gegen die Natur und gegen zahlreiche schwarze wie weiße "Fremde" weiter gefestigt. [8]

Obwohl beide Staaten die Legitimität ihrer Existenz aus dem Prinzip eines "gelobten Landes" beziehen, unterscheidet sich das Konzept der "Rückkehr" im Fall Israels vom göttlichen Versprechen im Fall Südafrikas.
Im ersten Fall ist die Rückkehr verbunden mit der vorherrschenden zionistischen Version der Rückkehr in ein bestimmtes Land, nämlich "das Land Israel". Im zweiten Fall war das versprochene Land überall dort, wo die Buren landeten.

b) Das Konzept einer Kulturellen Mission

Israel und Südafrika ähneln anderen Siedlerstaaten in der Übernahme der Behauptung, dass sie in den neuen, entdeckten Ländern landeten, um die Aufgabe einer zivilisatorischen Mission zu erfüllen. Das Konzept des "Niemandslandes" schloss die Menschen nicht mit ein. Obwohl es für viele Siedler zu einer wesentlichen Doktrin wurde, bezog man es hauptsächlich auf die Zivilisation. Das bedeutet, dass es die Mission des weißen Mannes war, diese Lücke zu füllen, im Sinne von Landbebauung und Zivilisierung der "Eingeborenen" in den Fällen, in denen ihre Existenz nicht einfach geleugnet wurde.

Obwohl sowohl Israel als auch Südafrika von der Prämisse der zivilisatorischen Mission ausgingen, übernahmen sie später auch das Konzept des "Niemandslandes" im demographischen Sinne. Vertreter des Zionismus zögerten nicht, die geschichtlichen Fakten zu verdrehen, als sie die Parole "Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land" ausgaben. Das heißt, dass das moralische Recht, das auf dem Alten Testament basierte, auch durch historische Erwägungen unterstützt wurde. Das bedeutet erstens, dass Palästina das einzige Land ist, das die Juden als ihre historische Heimat betrachten, und zweitens, dass es keine anderen Menschen als die Juden gibt, die Palästina als ihre Heimat betrachten. Verbunden damit ist die Behauptung, dass sich das Land, nachdem die Römer die Juden aus Palästina deportiert hatten, in eine Wüste verwandelte, ohne positive Funktion und ohne zivilisatorische Entwicklungen. Die zionistische Denkweise erklärt, dass die ImmigrantInnen im Zuge der zweiten jüdischen Einwanderungswelle keine Ansätze wirtschaftlichen oder kulturellen Fortschritts vorfanden. Eine ähnliche Logik wurde auch von den Siedlern in Südafrika übernommen. Sie erstellten eine Chronologie der Ankunft verschiedener Gruppen in Südafrika, die damit übereinstimmt.

Als 1652 die holländischen Besiedlungswellen in der Kapregion einsetzten, war die Region von Hottentotten und Buschmännern bewohnt. Als Folge des demographischen Drucks und der Krankheiten, die durch die holländischen Siedler eingeführt wurden, verschwanden die Hottentotten nach und nach, während die Buschmänner, nachdem sie von den Buren unterworfen worden waren, überlebten. Als es den weißen Siedlern im 19. Jahrhundert gelang, das Landesinnere Südafrikas zu besetzen, starteten sie eine Kampagne gegen die Stämme der Bantu, die einen langen Prozess der Emigration nach Süden begonnen hatten und die Region, die heute Südafrika genannt wird, vor den Holländern erreichten.[9]

Um ihre Kampagnen in Afrika zu rechtfertigen, behaupteten die europäischen Siedler, dass sie nicht nur auf den Erwägungen der rassischen Überlegenheit beruhten, sondern auch die Botschaft der Zivilisation zu den unterentwickelten Völkern brachten. Aber die Buren und die Juden stellten sich nicht im gleichen Ausmaß dem Problem, Rassismus und Zivilisierung zu verbinden. Die Erklärung liegt darin, dass sie sich in der Tiefe ihres Herzens als "von Gott auserwähltes Volk" fühlen, welches durch eine schreckliche Prüfung ging. Sie erlebten die Zerstreuung und standen zahlreichen Gefährdungen und Unsicherheiten gegenüber, bis sie in das versprochene Land zurückkehrten. Als sie ihre Rettung erlangten, nahmen sie sich das Recht heraus, Herrschaft über andere auszuüben.[10]

c) Die Werte des Pioniertums und der Könnerschaft

Sowohl Israel als auch Südafrika (und Siedlerstaaten im Allgemeinen) basierten nicht nur auf dem Konzept der zivilisatorischen Mission des Weißen Mannes. Sie weiteten ihre Legitimierungsversuche aus, indem sie die Werte des Pioniertums und der materiellen Errungenschaften in der neuen Region herausstrichen. Die ersten europäischen Siedler, ob in Palästina oder in Südafrika, sahen sich selbst als Pioniere, die kamen, um das Land zu entwickeln. Sie brachten die europäischen Vorstellungen der produktiven Landnutzung mit sich und wandten diese Konzepte an, um zu kultivieren, was sie als braches Land betrachteten [11]. J. Botha, ein prominenter Vertreter der Regierung der weißen Minderheit in Südafrika, behauptete, dass der weiße Mann durch Abenteurertum und Anwendung der europäischen Fertigkeiten die öde Wüste urbar machte und Industrien schuf, um seinen Bedarf zu stillen und das Land zu entwickeln [12] .
Durch diese schöpferischen Anstrengungen stützten die holländischen und zionistischen Siedler die Behauptung einer sinnvollen Besetzung der von ihnen erlangten Gebiete. In vollster Bewunderung ihrer Errungenschaften stellten sie sich vor, dass die indigenen Völker in Südafrika und Palästina als Ergebnis ihrer Nachlässigkeit das Eigentumsrecht auf ihr Land verloren hätten [13].

d) Das Recht auf Selbstbestimmung

Ein anderer wichtiger Punkt, um die Perspektive der Siedler in Israel und Südafrika zu verstehen, ist die Behauptung, dass sie nicht zu den expansionistischen Siedlerprojekten gehörten. Sie behaupteten vielmehr, dass sie Vertreter nationaler Befreiungsbewegungen seien. In diesem Sinne fasste Herzl die Legenden des Zionismus zusammen, indem er darauf bestand, dass es das Recht einer "nationalen" Minderheit sei, die Würde

des Menschen zu verteidigen, und dass der "Judenstaat" seiner Meinung nach die einzige Lösung des Problems des "Antisemitismus" sei [14]. Der gleichen Logik folgend sagte Molder, der frühere Minister für Information und Inneres in Südafrika, dass die politische Motivation in Südafrika nicht der Kolonialismus sei, sondern der Nationalismus der Afrikaaner, der Nationalismus der weißen Afrikaaner, da Nationalismus nicht das Monopol einer Farbe sei [15] .
Obwohl an den Staaten kritisiert wurde, dass sie Siedlerphänomene seien, sahen sich die jüdischen Siedler in Israel und die Weißen in Südafrika selbst als Opfer der Unterdrückung seitens kolonialistischer Staaten. Sie fügten hinzu, dass sie einen gewalttätigen, blutigen Kampf führten, um sich der Herrschaft des britischen Kolonialismus zu entledigen. Die Weißen in Südafrika kämpften die Burenkriege, und die Juden in Palästina bekämpften die britische Besatzung in den späten 30er und während der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der frühere britische Premierminister Harold MacMillan (1957-63) rief 1960 in seiner berühmten Rede über "the winds of Change" in Afrika vor dem südafrikanischen Parlament aus: "Es wird in unsere Geschichte eingehen, dass Sie den ersten Afrikanischen Nationalismus repräsentieren."[16]
Im Lichte dieser Aussage strich die Zeitung "Die Broger" heraus, dass die Afrikaaner "das Jahrhundert der Feindschaft zum Kolonialismus eröffneten, durch ihren Kampf für Freiheit und gegen den britischen Kolonialismus, und so ein Beispiel setzten für die anderen Völker der Welt unter dem Kolonialismus."[17]
In ähnlicher Weise galt auch die Emigration nach Palästina im zionistischen Denken als eine Bestrebung, "ein besetztes Land" zu befreien. So könne dies nicht als Kolonisierung oder Besiedelung dargestellt werden, sondern vielmehr als Rückgabe von Land an seine Besitzer. Das Land wäre tausende Jahre zuvor ungerechtfertigterweise und illegal besetzt worden. Es wäre Zeit für sein Volk, es davon zu befreien. Im Lichte dieser Wahrnehmung wurden der Krieg von 1948 und die Vertreibung und Verstreuung der Palästinenser aus ihrer Heimat als "Befreiung von besetztem Land" und als Werk einer "nationalen Befreiungsbewegung" beschrieben.[18]

3) Die Legitimität des Politischen Systems der Siedler

Das Konzept der "Legitimität des Siedlerstaates" konzentriert sich auf die Legitimität des Besiedlungsprozesses durch die Siedler. Es schließt ihr Verhalten und ihr Verhältnis zu den ursprünglichen Landbesitzern mit ein. Es ist verbunden mit dem Prozess, der mit der Emigration und der Landnahme begann und mit Kriegen um einen eigenen Staat endete. Das ist in Van den Bergs Theorie der "Demokratie des Auserwählten Volkes" reflektiert. In der Praxis bedeutet es das Phänomen der "zivilisatorischen Dualität".

a) Das Phänomen der zivilisatorischen Dualität

Die Hypothese der zivilisatorischen Dualität macht einen wesentlichen Teil der Philosophie und Ideologie des Kolonialismus im Allgemeinen und des britischen Kolonialismus im Speziellen aus. Es war nicht ungewöhnlich, dass Konzepte wie die zivilisatorische

Mission der kolonialistischen Mächte bei der Bestimmung von Regionen berücksichtigt wurden, die unter Mandatschaft oder Trusteeship Rule in Übereinstimmung mit dem Völkerbund oder der Charta der Vereinten Nationen standen. Das rassistische Konzept ist die verdeckte Grundlage des Konzeptes der zivilisatorischen Dualität in den verschiedenen Formen des Kolonialismus, und Israel und Südafrika sind Beispiele, wo das auch offen gezeigt wurde.
Beide Staaten übernahmen das Konzept des "auserwählten Volkes". In diesem Konzept schloss die Dualität des politischen Systems die Umsetzung von zwei Prinzipien ein: 1) Das Prinzip der rassischen Überlegenheit und 2) das Prinzip der rassischen Reinheit.
Für Israel umfasst das die Bemühung, einen reinen "Jüdischen Staat" zu errichten. Für Südafrika bedeutete das die Politik der "getrennten Entwicklung". Die Bedingungen des demographischen Verhältnisses zwischen Siedlern und Indigenen waren bestimmend für die Unterschiede zwischen den beiden Staaten. In beiden Fällen nutzten Zionisten und Buren die Sprache, die Religion und den spezifischen Lebensstil, um eine unterschiedliche göttliche Aufgabe hervorzustreichen. Als Ergebnis davon wurden ethnische Isolierung und Loyalität zur Siedlergemeinschaft an sich zu Zielen. Seit Beginn der Besiedlung sahen die weißen Siedler niemals die Notwendigkeit, ihre rassistische Politik zu rechtfertigen. Die Theoretiker des Rassismus in Südafrika sagten, dass es unmöglich sei daran zu denken, dass die afrikanischen Völker die vorherrschende westliche Kultur annehmen könnten. Dr. Mallan, der Führer der Nationalen Partei, erklärte in seinem Wahlkampf 1948, dass gewählt werden könne zwischen weißer Herrschaft, rassischer Reinheit und christlicher Zivilisation oder dem schrittweisen Untergang im Meer der Schwarzen [19] .
Als seine Partei die Wahlen gewonnen hatte, kündigte er die Umstellung der Politik von Vormundschaft und weißer Dominanz als Herrschaftsbasis auf die Politik der getrennten Entwicklung an. Die rassistische Politik Israels stimmt in ihrem Wesen mit jener Südafrikas überein. Aber die Propaganda und der formale Rahmen sind unterschiedlich. Zum Beispiel gibt es in Israel zusätzlich zu einer offiziellen Vertretung in der Knesset eine begrenzte Anzahl von PalästinenserInnen, die offizielle Posten einnehmen oder in Institutionen der Regierung arbeiten.
Aber diese PalästinenserInnen sind ungefährlich, und ihre Loyalität zum Siedlerstaat ist garantiert. Diese Form der Tarnung und die Ermutigung für konservative und kollaborierende Teile unterscheidet sich nicht von der in Südafrika angewendeten Form der Unterstützung bestimmter Chiefs afrikanischer Stämme. Azmi Bisharas Beispiel ist dahingehend sicherlich eine Ausnahme [20] .
Der Haltung der Buren und der Zionisten, sie seien unabhängige rassische Einheiten, genauso wie sie zur weißen Rasse und zur westlichen Zivilisation gehören, wurde in vielen Aussagen ihrer Führer ausgedrückt. Ihre Selbstwahrnehmung war in mancher Hinsicht eine Ausweitung der Selbstwahrnehmung der westlichen und speziell der britischen Eliten, die eine wesentliche Rolle in der Errichtung der beiden Staaten spielten. Besonders muss auf die Rolle von Lord Balfour hingewiesen werden.

Als das britische Parlament, um die Buren zufrieden zu stellen und das Empire zusammenzuhalten, das Gesetz über die Union von Südafrika verabschiedete, wussten die Führungen der liberalen und konservativen Parteien, die für das Gesetz stimmten, dass damit das britische Parlament auf das Recht verzichtete, zugunsten der afrikanischen Bevölkerung in Südafrika zu intervenieren. Somit wurde die Mehrheit der indigenen Bevölkerung der Gnade der Weißen ausgeliefert. Schließlich war es die Rechtfertigung von Lord Balfour, die das Problem löste. Er wandte sich an die Mitglieder des Parlaments und sagte, dass sie "den Eingeborenen in Südafrika nicht die gleichen Rechte geben könnten wie den Weißen, ohne die gesamte Struktur der weißen Zivilisation umzustoßen." [21] .

Unter dem Einfluss der Mythen der rassischen Rechte der Siedler zögerten die Unterzeichner der Balfour-Deklaration nicht, die muslimische und christliche Mehrheit in Palästina, die mehr als 90% der Bevölkerung ausmachte, als "nicht-jüdische Gemeinden" zu bezeichnen. Mit anderen Worten wurde damit die Mehrheit der indigenen Bevölkerung praktisch und gnadenlos in eine Minderheit umgewandelt und als minderwertig eingestuft, im Namen der höherstehenden Rechte, die die europäische zusätzliche Bevölkerung genoss. Da also die Verteidigung der Zivilisation, die die westlichen, die zionistischen und afrikaanischen Eliten mit der westlichen Zivilisation verbanden, vor allem unter den Bedingungen außerhalb des Westens, wie in Israel und in Südafrika, die Einheit des weißen Mannes erfordert, bedeutet das die permanente Unterwerfung der indigenen Bevölkerung, in diesem Fall des palästinensischen und der afrikanischen Völker. Das bedeutete auch, dass diese Eliten die Werte der Zivilisation des weißen Mannes als ausreichende Rechtfertigung dafür sahen, der indigenen Bevölkerung die Rechte und Freiheiten zu verweigern. Sowohl Israel als auch Südafrika sind hinsichtlich ihrer historischen Errichtung und ihrer Entwicklung in drei Phänomene einbezogen, die trotz ihrer Unabhängigkeit auch zusammenhängen. Es ist notwendig, zwischen ihnen zu unterscheiden, um ein besseres Verständnis für die internationale Lage jedes Staates zu bekommen.
Sie können wie folgt aufgezählt werden:

1. Das Phänomen der Kolonisierung

Das umfasst die Bewegung einer Gruppe von Menschen in ein neues Land und ihren Versuch, ohne Zusammenleben mit der ursprünglichen indigenen Gesellschaft, den Eigentümern dieses Landes, ein Teil desselben zu werden. Das schließt die Entwurzelung all dessen mit ein, was vor dem Besiedlungsprozess zu dem Land gehörte, seien es die Menschen, sei es die Kultur, mit dem Ziel, einen unabhängigen, reinen Staat für die Siedler zu schaffen.

2. Das Phänomen der territorialen Expansion

Das bedeutet - rückgreifend auf die Parole der Nazis - "Lebensraum". Es ist der Versuch, den kolonialistischen Einfluss auszuweiten und die das neue Gebilde umgebenden Gemeinschaften einzudämmen, nicht durch Vernichtung, sondern vielmehr durch Hegemonie, auf

einer Basis, die als "regionale Supermacht" bezeichnet werden könnte. Im Gegensatz zum ersten Phänomen ist hier die Landbesetzung zur Errichtung von Siedlungen ein weniger wichtiger Faktor. Sie kann aber als Mittel zur Stärkung und Unterdrückung auf regionaler Ebene verwendet werden, oder für Verhandlungen im Versuch eine Siedlung zu festigen. So basiert das zweite Phänomen auf einem ökonomischen Eindringen, bei dem die militärische Macht und technologische Überlegenheit die Säulen sind, die den politischen Herrschaftsprozess tragen.

3. Das Phänomen des kolonialistischen Maklers

Das ist eines der Modelle und Instrumente des Neo-Kolonialismus. Dadurch wurde die Siedlerstruktur zu einem Werkzeug des fremden Einflusses in der Arabischen Region und in Afrika. Dieses Phänomen drückte sich aus, indem sowohl Israel als auch Südafrika vom Westen dazu verwendet wurden, die Rolle von Polizisten zu übernehmen, die ökonomische und strategische Interessen in der jeweiligen Region sichern sollten [22].

So bezieht die Außenpolitik beider Staaten ihre Legitimität aus der Tatsache der Ablehnung durch die arabischen und afrikanischen Staaten. Ein großer Teil der Ressourcen der beiden Staaten wird deshalb verwendet. Diese Bedeutung wird klar, wenn die Effekte auf die regionale Umgebung mit in Betracht gezogen werden.
Was Israel und Südafrika kennzeichnet ist nicht nur die Ablehnung der regionalen Umgebung, sondern auch die Verbindung dieser Ablehnung mit der Siedlernatur der beiden Staaten. Die Beziehung zwischen diesen beiden Phänomenen wird durch eine Reihe von Wahrnehmungen und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Siedlergruppe gezeigt.

Erstens wird durch den Rassismus der Siedlerstrukturen nicht nur die Würde der indigenen Bevölkerung erniedrigt, sondern auch die geokulturelle Region, in der diese Strukturen eingesetzt wurden.
Zweitens gibt es in der Region ein Gefühl von Unsicherheit aufgrund der militärischen und ökonomischen Fähigkeiten der Siedlerstaaten, zusätzlich zur Tatsache, dass sie in einer Allianz zu den Weltmächten stehen, die sehr oft gegen die Bestrebungen und Interessen der Menschen in der Region handeln.
Drittens macht die Natur der Siedlergemeinschaften und ihre psychologische Verfasstheit sie in den frühen Phasen ihrer Entwicklung eher fähig zu gewalttätigem Vorgehen, zum Wagnis und eher vorbereitet Gewalt anzuwenden. Das manifestiert sich in den Akten der Aggression und territorialen Expansion, die sowohl von Israel als auch von Südafrika ausgeführt wurden.
Viertens ist die psychologische Verfasstheit der Siedlergemeinschaft auch durch Schizophrenie und Schwankung charakterisiert. Einerseits fühlen sich die Mitglieder der Siedlergemeinschaft unsicher, und unter ihnen wird ein Gefühl von Gefahr gehegt, andererseits wird das übertragen in expansionistische Entwürfe und aggressives Denken.
Diese Dualität beleuchtet die Sehnsucht nach Frieden, die es unter manchen Siedlern gibt, die vergessen, dass ihre Anwesenheit und der Charakter der Struktur, der sie angehören, die historische Quelle für den Konflikt und die Abwesenheit von Frieden ist. Es wird auch unterstrichen durch den Versuch der herrschenden Elite, die erkennt, dass Gewalt das grundlegende Instrument des Siedlerstaates ist, die Siedler zu weiteren Akten der Aggression gegenüber der indigenen Bevölkerung zu animieren.

4) Israelischer Zionismus: Was für eine Zukunft?

Diese Studie basiert auf der zentralen These, dass der Siedlerstaat, wie er sich in Israel und in Südafrika darstellt, von einer einzigen theoretischen Perspektive aus analysiert werden kann, basierend auf dem "Siedlerphänomen". Diese zentrale These verzweigte sich im Zuge der Analyse in zwei komplementäre Annahmen. Erstens gibt es bestimmte Charakteristika, die in Verbindung mit dem in den Siedlerstaaten vorherrschenden politischen System stehen. Diese Charakteristika leiten sich vom historischen Erscheinen und der sozialen Zusammensetzung dieser Staaten ab. Zweitens sind diese Charakteristika als Ergebnis einer Anzahl interner Faktoren (z.B. Wechsel von Generation zu Generation, Wechsel der wirtschaftlichen Faktoren, die Entwicklung der gesellschaftlichen Struktur, die Interessen verschiedener politischer Kräfte) und externer Faktoren (wie die Haltung der indigenen Bevölkerung, die Haltung der umliegenden Staaten, Trends in der internationalen Ordnung, sei es bei den Supermächten oder in der öffentlichen Meinung) Veränderungen ausgesetzt.

Es folgt eine Betrachtung der Ergebnisse dieser Studie in Bezug auf die zwei Thesen für Israel und Südafrika aus der Perspektive einer Zukunftsanalyse:

1 - Erste These:
Die Besonderheit des politischen Systems

Die Studie hat gezeigt, dass die "Siedlernatur" die grundlegende Determinante der in Israel und in Südafrika herrschenden gesellschaftlichen Struktur ist. Es ist diese Natur, die den Charakter und die gesellschaftlichen Beziehungen in den beiden Staaten bestimmt und somit eine Einordnung als politisches Siedlersystem rechtfertigt.
Es gibt drei damit in Verbindung stehende Ergebnisse:

a) Der grundlegende Widerspruch im Siedlersystem ist jener zwischen den Siedlern und den ursprünglichen Besitzern des Landes.
Wenn die Siedlernatur die wesentliche Variable im politischen System darstellt, die das Wesen des Systems und der Wechselwirkungen bestimmt, dann ist dieser grundlegende Widerspruch der wesentliche Antrieb des politischen Systems. Die rassistische Siedlernatur stellt das System in Widerspruch zur ursprünglichen Gesellschaft. Es ist eben dieser Widerspruch, der alle wirtschaftlichen, sozialen, politischen und psychologischen Bedingungen der Siedlergemeinschaft beherrscht. Die Lösung von Unterschieden und andere Probleme sollten deshalb im Rahmen dieses grundsätzlichen Widerspruchs betrachtet werden, der eine Vielzahl von Folgen hat, die nicht vernachlässigt werden dürfen.

b) Die Erscheinung der Dualität auf der Ebene der politischen und regionalen Systeme.
Das Auftreten dieses Grundwiderspruchs im System erfordert die Untersuchung des Phänomens der "Dualität" auf der politischen Ebene. In diesem Fall ist sie durch eine Art Schizophrenie gekennzeichnet, da ein bestimmtes System in der Siedlergemeinschaft auftritt und ein anderes System die Beziehungen zu den ursprünglichen Landbesitzern bestimmt. Das könnte die deutlichen Widersprüche zwischen dem Auftreten von liberalen politischen Werten, einschließlich Parteien, Pressefreiheit, Redefreiheit, unter den Siedlern auf der einen Seite und die Errichtung eines militaristischen und imperialistischen Systems in Bezug auf die indigenen Landbesitzer auf der anderen Seite erklären.

Dualität charakterisiert das politische System und wird auch auf einer anderen Ebene eingeführt, und zwar auf der Ebene des regionalen Systems. Das Siedlersystem repräsentiert im Allgemeinen eine Insel des wissenschaftlichen, des technologischen und des wirtschaftlichen Fortschritts in einem Umfeld allgemeiner Rückständigkeit. Die Bedeutung dessen wird klar, wenn die Auswirkungen auf das regionale Umfeld in Betracht gezogen werden.

c) Die Tendenz des Siedlersystems zur Verbindung mit dem Mutterland.
Die Grundlage dieser Tendenz wird durch die Isolation und den Boykott bestimmt, die aus der Situation auf der örtlichen und regionalen Ebene hervorgeht, zusätzlich zu den Erscheinungen der kulturellen, historischen, technologischen und religiösen Differenzen, die Israel und Südafrika dazu bringen, mit dem Westen als "Mutterland" in Verbindung zu bleiben. Der Grund dafür

ist, dass die Erfahrungen des modernen Siedlerkolonialismus im Allgemeinen ein Teil der Versuche sind, die westliche kapitalistische Herrschaft in der ganzen Welt durchzusetzen.

Diese drei Folgen bestimmen das Wesen des "anachronistischen Problems", das die spezifische missliche Lage ausmacht, in der sich die Siedlerstaaten auf politischer, sozialer, ethischer und internationaler Ebene befinden. Dieses Problem verbindet nicht nur die Wesenszüge der existierenden politischen Systeme in Israel und in Südafrika, sondern zeigt sie auch als Widerspiegelung einer anachronistischen Erscheinung, welche eine Verletzung zahlreicher Gesetze der Gesellschaftsentwicklung und historischer Trends darstellt, speziell aus der Sicht der neuen Perspektiven in der internationalen Ordnung nach dem ersten Weltkrieg. Die Klärung dieses Problems erfordert eine Unterscheidung zwischen dem Konzept des "Fait Accompli" und dem Konzept der "geschichtlichen Realität". Die Grundlage dafür ist, dass "Fait Accompli" nicht unbedingt die allgemeine Bewegung der Geschichte repräsentiert, während die "historische Realität" der Punkt ist, an dem sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft treffen.

2 - Zweite These:
Formen der Veränderung und Kontinuität


Wenn man das Verhältnis zwischen Veränderung und Kontinuität in Bezug auf Israel untersucht, ist es hilfreich, die historische Analogie zwischen den Kreuzzügen und der zionistischen Besatzung in Palästina heranzuziehen. Die Ähnlichkeiten in der Zusammensetzung der individuellen Strukturen, die aus drei grundlegenden Elementen besteht, führte in komplexen Wechselwirkungen zum Ende des Abenteuers der Kreuzzüge und könnte auch zum Zusammenbruch des israelischen Siedlerstaates in der arabischen Welt führen, genauso wie der rassistische Staat in Südafrika zusammengebrochen ist. Erstens gibt es die Besonderheiten, die den fremden Siedlergruppen eigen sind, zweitens gibt es Besonderheiten auf der arabischen Seite, und drittens gibt es die Beziehungen der fremden Siedlergruppe zur übrigen Welt.

Studien, die vom israelischen Historiker Aharon Ben Ami durchgeführt wurden, zeigten, dass die Veränderungen, die durch diese drei Faktoren verursacht wurden, zum Scheitern der Kreuzzüge führten. Insbesondere meinte er damit die Stagnation der Kreuzrittergemeinden und ihre Unfähigkeit sich zu erneuern, das Vorherrschen von unflexiblem, traditionellem Denken unter ihren Mitgliedern und die wachsenden Fähigkeiten der arabischen Bevölkerung. Die Führer der Kreuzzüge waren unfähig, das richtig zu bewerten, und es gelang ihnen nicht, sich entsprechend diesen Veränderungen zu entwickeln. Möglicherweise führte auch der Abbruch der Kontakte zwischen den Kreuzrittern und der übrigen Welt zum unvermeidlichen Ende der Invasion. Dementsprechend konzentrieren sich israelische Wissenschafter darauf, Politiken und Lösungen zu entwickeln, die ihre Führung anwenden kann, um die Ursachen für das Versagen der Mission der Kreuzzüge zu vermeiden [23] .

Drei Schlüsse können aus dem Vergleich zwischen der Invasion der Kreuzritter und dem zionistischen Siedlerkolonialismus in Palästina gezogen werden. Ähnliche Resultate zeigten sich auch in Südafrika, bis es endlich vom rassistischen Regime befreit wurde.

Das Problem von historischen Siedlerstrukturen wurde in einer von zwei Formen gelöst:

1. Das Amerikanische Modell

Der grundsätzliche Widerspruch zwischen den Siedlern und der indigenen Bevölkerung wurde durch die vollständige Dominanz der Siedler und die Ausrottung der indigenen Besitzer des Landes gelöst. Natürlich geschah das unter internationalen Rahmenbedingungen, die Invasion, Eroberung und Besatzung gestatteten.
Tatsächlich ist Kolonisierung eines der Rechte von Großmächten.

2. Das Algerische Modell

Der grundsätzliche Widerspruch zwischen den französischen Siedlern und der algerischen Bevölkerung wurde gelöst, indem die Siedlerstruktur aufgelöst wurde und die Siedler in ihr Mutterland abgezogen wurden. Das wurde unter anderen internationalen Umständen und durch den Druck der Befreiungskriege im Land vollzogen, die von den nationalen Widerstandsbewegungen geführt wurden.

In der aktuellen internationalen Ordnung und angesichts der lokalen und regionalen Kräfteverhältnisse, die traditionellen Kolonialismus zurückweisen und Verletzungen der Völkerrechte und der Grundrechte verurteilen, kann der Konflikt zwischen den zionistischen Siedlern und den indigenen PalästinenserInnen weder durch Ausrottung wie in den USA, noch durch Abzug der Siedler wie im Falle Algeriens gelöst werden.

Eine der am häufigsten vertretenen Lösungen basierte auf der Teilung des Landes unter der Garantie, in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht die natürlichen und erworbenen Rechte jeder Seite zu sichern. Dieser Rahmen wurde allgemein anerkannt, da gedacht wurde, dass er ein Minimum an legitimen Rechten für die indigene Bevölkerung bedeutet und gleichzeitig die erworbenen Interessen der Siedlergenerationen garantiert, die akzeptieren, in Frieden mit der indigenen Bevölkerung zusammenzuleben. Das ist das afrikanische Modell, das in den Fällen von Zimbabwe und Südafrika umgesetzt wurde, wo der grundlegende Widerspruch durch die Ausschaltung der rassistischen Regime gelöst wurde.
Aber Israel, der einzige existierende Siedlerstaat, lehnt selbst diesen grundlegenden "Kompromiss" der indigenen Bevölkerung ab. Es gibt zwei Gründe, weshalb es diesen Standpunkt einnimmt. Erstens nimmt es sich selbst als eine starke militärische Festung wahr, die von den Staaten der Region nicht einfach herausgefordert werden kann. Der zweite Grund bezieht sich auf die unbegrenzte materielle und moralische Unterstützung, die es von den herrschenden Mächten der Welt bekommt, die diesen Siedlerstaat (Israel) als wesentliches Instrument sehen, um die weltweiten kapitalistischen Interessen in der Region aufrechtzuerhalten.
In diesem Rahmen erscheint die neo-imperialistische Besiedlung, die den Siedlerstaat im Wesentlichen aufrechterhält, ihm aber durch regionale Abkommen auf Kosten der indigenen palästinensischen Bevölkerung, die das grundlegende Recht auf Selbstbestimmung hat, eine formale Legitimität gibt. Deshalb gibt es keine gleichen und ausgewogenen "Rechte" für die zwei Seiten in diesem Konflikt. Stattdessen gibt es eine Art hierarchisches Arrangement von Rechten, in dem Sinne, dass die indigene Bevölkerung zu Bürgern zweiter Klasse wird, mit einem gewissen Grad an Autonomie in der Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten. Indem die Siedler durch diese rassistischen Konzepte dazu veranlasst wurden, sich in diesen Gebieten niederzulassen und sie dadurch aufrechtzuerhalten, gelangten sie selbst an die Spitze der Pyramide.

Die drei einander überlappenden Erscheinungen des israelischen Siedlerstaates (Siedlerkolonialismus, territoriale Expansion und das Phänomen des kolonialen Maklers) stimmen mit den Bestrebungen der Hegemonialmächte der Welt, angeführt von den USA, nach beständiger Kontrolle und Ausbeutung der Region überein. Der Siedlerstaat wird als feste, unverrückbare Basis betrachtet, die bei Bedarf genutzt werden kann, da sie ein Teil der westlichen Welt ist. Gleichzeitig spielen die häufigen Aggressionsakte dieses Staates gegen die anliegenden Staaten eine wichtige Rolle, um von seinem ursprünglichen Siedlercharakter abzulenken und neue imperialistische Niederlassungen zu erzwingen. Er erfüllt die Ziele der Weltordnung, der Kontrolle und der Ausbeutung im politischen, ökonomischen und militärischen Bereich. Die akzeptierten Übereinkünfte der Besiedlung des Westens, um den Kampf gegen den Siedlerkolonialismus, wie er in der Region erfahren wird, zu erklären, wurden zu einer tatsächlichen Last und brachten die Interessen der weltweiten hegemonialen Ordnung in der Region in ernsthafte Gefahr. Diese Übereinkünfte stellen nicht länger das geeignetste Mittel dar, um die westlichen Interessen zu sichern.
Wie es aussieht, erachten es die globalen Kräfte des Imperialismus als notwendig, für Israel die Rolle eines Expertisenzentrums in der arabischen Region zu übernehmen, anstatt mit ihrer früheren Aufgabe als Polizist, der nur sich selbst dient, fortzufahren. Dieses Expertisenzentrum ist als "Supervisor" notwendig, um die Entwicklung der Region zu überwachen, um sicher zu sein, dass sie nicht die Grenzen überschreitet, die das imperialistische System ernsthaft in Frage stellen könnten. Die Besiedlung dient nunmehr dazu, dass Israel eine wesentliche Rolle im Dienste des Neokolonialismus spielt, anstatt seine wesentliche Funktion im Dienste des alten Imperialismus auszuüben.


Der Artikel von Dr. Magdy Hammad ist erschienen in:
Daud, A.: "The Israeli Law of Return and its Impact on the Struggle in Palestine". Palestinian Return Centre, London, 2004.

Übersetzung aus dem Englischen: Perspektive Süd


1. Stevens, R."Settler States and Western Response: Israel and South Africa" S. 167-168, in: Jabara, A. und Terry J.(Hrsg.): "The Arab World from Nationalism to Revolution", The Medina University Press International, Wilmette-Illinois 1971 und Stevens, R. und Elmissiri, A.: "Israel and South Africa: The Progression of a Relationship - Revised Edition" S.18, North American, New Jersey, 1977.

2. Elmessire, A.: "Zionist Apologetics and the White Man´s Burden", in: ebenda, S.18-20

3. Welty, G.: "The Rise and Fall of the Settler Colonial Regime", Artikel präsentiert auf der 10. Jahresversammlung der Association of Arab-American University Graduates, Southfield (Detroit), Michigan, 21. Oktober 1977

4. Van den Berghe, Pr.: "Race and Racism" S. 29,Wiley, New York, 1967.

5. Childers, E.: "The Silent Desire, from Citizens to Refugees" S. 183-222 in: Abu-Lughod I. und Abu-Laban B. (Hrsg.): "Settler Regimes in Africa and the Arab World", The Medina University Press International, Wilmette-Illinois, 1974.

6. Farley D. und L.: "Israel and South Africa: Parallels and Linkages", Artikel präsentiert auf der Jahresversammlung der Middle East Studies Association, New York 9-12. November 1977

7. Verblovski, G. Z.: "The Land of Israel and the Israelis" S. 14 in: Saigh, A. (Hrsg.): "From Contemporary Zionist Though". PLO Research Center, Beirut, 1971

8. Farley D. und L. siehe oben

9. Marquard, L. "The Story of South Africa S.17-79, Oxford University Press, London, 1954.

10. Bissel, R.: "Apartheid and International Organisations" S.2, Westview Press, Boulder-Colorado, 1977.

11. Farley, D. und L. siehe oben

12. Botha, J.: "Progress Through Separate Development - Fourth Edition". S.14. International Service of South Africa.

13. Farley D. und L. siehe oben

14. Rabi, H.: "Lectures in the Political Decision Making in Israel". S.52. Universität Kairo, College of Economics and Political Sciences, Kairo, 1970.

15. zitiert aus: Farley D. und L. siehe oben

16. Munger, E.: "Afrikaner and African Nationalism: South African Parallels and Parameters", S.4, Oxford University Press, London, 1967.

17. zitiert aus: ebenda S.5.

18. Prittie, T.: "Eshkol of Israel: The Man and the Nation", S. 80, Museum Press, London, 1969.

19. Widner, D.: "The History of Sub-Saharan Africa. Vol. 1. Übersetzung ins Arabische von Ali Ahmed Fakhri und Shawki Ataullah Al-Jamal, Sijil Al-Arab Foundation, Kairo, 1976.

20. Farsoun, S.: "Settler Colonialism and Herrenfolk Democracy", S. 32. in: Stevens, R und Elmessiri A. siehe oben.

21. zitiert aus R. Stevens S.4-5. siehe oben

22. Für genaueres siehe Dr. Magdy Hammad: "The political system of settlements - A comparative study between Israel and South Africa", Dar al-Wahda, Beirut 1981. (arabisch)

23. Ben Ami, A. siehe oben


zurück zur Startseite