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Die Apartheid
in Südafrika und der Israelische Zionismus
Eine vergleichende Studie
Dr. Magdy Hammad
Es handelt sich hier um eine vergleichende Studie der
Apartheid in Südafrika mit dem israelischen Zionismus. Die zentrale
Hypothese der Studie ist, dass beide Probleme von einer einzigen theoretischen
Perspektive aus analysiert werden können, welche auf dem Konzept
des Siedlerregimes beruht, das in der Praxis sowohl den Kern der Apartheid
als auch des Zionismus verkörpert.
Das Wesentliche ist, dass die Wurzeln der beiden Probleme einen gemeinsamen
historisch-sozialen Ausgangspunkt haben. Sie stehen beide in Verbindung
mit der sozialen Struktur und den politisch-ökonomischen Interessen
der westlichen Staaten, die ihnen alle Formen der Unterstützung
gewährt haben. Im Falle Israels setzen sie nach dem Zusammenbruch
der Apartheid in Südafrika damit fort. Es muss betont werden, dass
sich die Studie auf die Zeit der Apartheidregierung in Südafrika
beschränkt. Sie beginnt mit der Darlegung der strukturellen Ähnlichkeiten
in den beiden Fällen, untersucht das Phänomen von Siedlerstaaten
und ihre vorherrschenden politischen Systeme und beleuchtet die Zukunft
Israels im Lichte der Veränderungen, deren Zeugen wir in Südafrika
waren. Weiters wird dieses theoretische Rahmenwerk auch der palästinensischen
nationalen Bewegung helfen, den Glauben an eine schnelle Lösung
aufzugeben. Ähnlich wie auch der Sache des Gegenübers eine
feste Basis gegeben wurde, soll es außerdem dabei helfen, die
palästinensische Sache wissenschaftlich und politisch zu festigen.
So bleibt der Konflikt nicht länger eine Frage von "Grenzen"
und von "Rückzug", sondern vielmehr eine Frage von "Überleben"
und von einer "Gesellschaft", deren Aufbau den heutigen Idealen
der Menschheit entgegensteht.
In letzter Konsequenz geht es nicht um einen "Disput", der
mehrere souveräne Staaten umfasst, sondern vielmehr um einen Konflikt
zwischen allen arabischen Menschen auf der einen und einer kolonialistischen
Siedlerstruktur auf der anderen Seite.
1) Kolonisierung: Wahrnehmung und Verhalten
Es ist bekannt, dass Kolonialismus im Allgemeinen und Siedlerkolonialismus
im Speziellen auf bestimmten rassistischen Annahmen basiert, die von
der Behauptung der ethnischen Überlegenheit der "westlichen
Zivilisation" und des "Weißen Mannes" herrühren.
Diese rassistischen Annahmen legitimierten ihrerseits in den Augen
der Kolonialisten das Eindringen von "Fremden" aus dem Westen
in die Kontinente der Welt.
Das bedeutet, dass die Annahme der Überlegenheit die Kolonisierung
begleitete und organisch mit ihr verschmolz. Lord Balfour, der eine
wesentliche Rolle für das Schicksal Palästinas und Südafrikas
spielte, beschrieb Kolonisierung als Ausdruck der "gereiften Rechte
und Privilegien" der europäischen Rassen. Ein anderer Forscher
fügte hinzu, dass die europäische Kolonisierung damit begann,
dass dem weißen Mann das Recht zugesprochen wurde, die Zivilisation
auf die weniger zivilisierten, indigenen Völker zu übertragen,
indem ihr Land besetzt wurde, selbst wenn das die "Liquidierung
der indigenen Völker" bedeutet hat. Es ist zweifellos ein
grotesker Weg, Völkern die Zivilisation zu bringen, indem sie vernichtet
werden [1].
So wurde es im 19. und 20. Jahrhundert unter den europäischen
kolonialistischen Mächten Usus, nicht-europäische Gebiete
als "Niemandsland" zu betrachten. Obwohl es zur Doktrin für
viele Kolonialisten wurde, bedeutet dieses Konzept nicht unbedingt unbewohntes
Land. Es schloss natürlich das Konzept von "Zivilisierung"
und "Europäisierung" mit ein. So sollte die angebliche
"Mission des Weißen Mannes" darauf hinzielen, diese
Leerräume zu füllen, die Territorien zu entwickeln und, wenn
ihre Anwesenheit nicht geleugnet werden konnte oder ihre Vernichtung
nicht vollständig vollzogen wurde, die "Eingeborenen"
zu zivilisieren. Kolonisierung wurde entweder durch die Leugnung der
Existenz oder durch die Leugnung der Existenzberechtigung der indigenen
Bevölkerung durchgeführt. Gleichzeitig wurde ein System von
Mythen ins Leben gerufen. Es schloss den Glauben mit ein, dass das Land
"leer" sei und niemandem gehöre. Ähnlich wurden
Stereotype über die indigene Bevölkerung verbreitet, indem
sie unabwendbar mit Versagen und Inkompetenz in Verbindung gebracht
wurde [2].
Diese Mythen weiteten sich bald zur "göttlichen Mission"
aus, die sowohl von den Siedlern in Palästina als auch in Südafrika
beansprucht wurde. In der Praxis spiegelte das Verhalten der Siedlergemeinden
gegenüber der indigenen Bevölkerung diese "Wahrnehmung"
in zwei wesentlichen Richtungen wider. Erstens schloss es die Anwendung
der verschiedenen Formen von Gewalt ein, um die indigene Bevölkerung
zu vernichten und schließlich ihre Sache auszulöschen. So
geschehen in den USA und in Australien. Zweitens die Ausübung verschiedener
Formen von Rassismus, der die Rückkehr zur Gewalt gegen die indigenen
Menschen, welche die Siedler nicht töteten oder vertrieben, ermutigte.
So müssen die Konzepte der "rassischen Beziehungen" und
des "Rechtes auf Rückkehr" innerhalb des Rahmens des
Siedlerkolonialismus bestimmt werden.
Kurz gesagt stellt die koloniale Herkunft dieser Strukturen und ihr
Auftreten im Zuge des Kolonialismus sie in Widerstreit zu den ursprünglichen
Besitzern des Landes. Dieser grundlegende Widerspruch bestimmte durchgehend
die Wesenszüge und die Dynamik des "neuen Staates" in
den verschiedenen Phasen seiner Entwicklung, sogar nachdem dieser zu
einem gewöhnlichen Staat geworden war. Ein bemerkenswertes Beispiel
sind die USA, wo bestimmte gesellschaftliche Funktionen und Dynamiken
unmittelbar mit dem Kolonialismus zusammenhängen. Welty betrachtete
diese Dialektik im Verhältnis der Herren und der Sklaven zueinander,
welches ebenfalls die innere Bewegung des politischen Siedlerregimes
repräsentierte [3].
Unterdessen strich Van den Berghe heraus, dass die Siedler politisch
die "Herrenvolkdemokratie" übernahmen.
Es ist ein zweigeteiltes politisches System, das eine parlamentarische
Demokratie für die Siedler auf der einen Seite und ein kolonialistisches
Regime für die indigene Bevölkerung auf der anderen Seite
umfasst [4].
Die Siedler regieren sich selbst durch ein liberales demokratisches
System und zwingen der indigenen Bevölkerung, solange deren Existenz
noch wirkungsvoll ist, die politische und soziale Unterdrückung
auf.
Diese Dualität spiegelt sich deutlich in den verschiedenen Dimensionen
des Siedlerregimes wider, sei es politisch, ökonomisch oder kulturell.
Ohne Zweifel streiten diese Trends direkt die Existenz der indigenen
Bevölkerung ab und widersprechen ganz und gar ihrem Interesse.
Die "Existenz" der indigenen Bevölkerung selbst wird
zum "Problem". Patrick Ketly bemerkte über die weißen
Siedler in Rhodesien: "Man kann nur fühlen, dass die weißen
Siedler Rhodesiens in der Tiefe ihres Herzens eine stille Sehnsucht
haben, dass die Afrikaner verschwinden" [5].
Diese "stille Sehnsucht" nimmt verschiedene Formen an, von
Versuchen der Ausrottung und Ausweisung bis hin zur geographischen und
gesellschaftlichen Isolierung.
2) Die Legitimität des Siedlerstaates
Das kollektive Bewusstsein der Siedler wird beständig durch die
Notwendigkeit geprägt, ihre Anwesenheit zu legitimieren, in einer
Region, die ihnen nicht gehört, und auf Kosten einer Bevölkerung,
die keine Feindschaft gegen sie hegt.
a) Das Prinzip der Rückkehr in ein versprochenes
Land
Die Siedler in Israel und in Südafrika glauben, dass sie eine
historisch-religiöse Mission haben, die ihnen aufträgt, in
ein "gelobtes Land" zurückzukehren. In beiden Fällen
ist das eine Widerspiegelung des gemeinsamen biblischen Hintergrundes.[6]
In Hinblick auf Israel erklärte Ferblovski: "wenn
es ein erwähltes Volk gibt, gibt es ein erwähltes Land (oder
ein versprochenes Land), und wenn die Juden nicht nur eine Gruppe von
Menschen mit gemeinsamem theologischen Glauben sind, sondern, wie sie
glauben, ein Volk mit einem historischen Bewusstsein, ist die Verbindung
zum versprochenen Land Teil ihres direkten historischen Bewusstseins,
ihrer Religion und ihrer nationalen Identität." [7].
Bezeichnend dafür ist, dass das zionistische politische Denken
durch eine mythische Vision dominiert ist: Es gibt eine integrale Verbindung
zwischen dem jüdischen Volk und "dem Land Israel". Gott
gab dieses Land seinem auserwählten Volk, und diejenigen, die an
das Alte Testament glauben, können nicht anders als diesem Ruf
zu antworten. So sind die Israelis nach viertausend Jahren ihrer "nationalen"
Geschichte zu ihrem "gelobten Land" zurückgekehrt. Auch
in Südafrika sahen die "Afrikaaner" ihr "historisches
Recht", ihren nationalen und religiösen Mythen zu entsprechen.
Die frühen holländischen Siedler, die Vorgänger der gegenwärtigen
Afrikaaner, landeten in Südafrika, als sie den, wie sie es nannten,
religiösen Tumulten und der Unterdrückung im Europa des 17.
Jahrhunderts entflohen. Gott, so behaupteten sie, habe ihnen ein neues
Land und ein neues Leben gegeben. Diese religiöse und kulturelle
Verbindung mit dem Land wurde durch drei Jahrhunderte des Kampfes gegen
die Natur und gegen zahlreiche schwarze wie weiße "Fremde"
weiter gefestigt. [8]
Obwohl beide Staaten die Legitimität ihrer Existenz
aus dem Prinzip eines "gelobten Landes" beziehen, unterscheidet
sich das Konzept der "Rückkehr" im Fall Israels vom göttlichen
Versprechen im Fall Südafrikas.
Im ersten Fall ist die Rückkehr verbunden mit der vorherrschenden
zionistischen Version der Rückkehr in ein bestimmtes Land, nämlich
"das Land Israel". Im zweiten Fall war das versprochene Land
überall dort, wo die Buren landeten.
b) Das Konzept einer Kulturellen Mission
Israel und Südafrika ähneln anderen Siedlerstaaten in der
Übernahme der Behauptung, dass sie in den neuen, entdeckten Ländern
landeten, um die Aufgabe einer zivilisatorischen Mission zu erfüllen.
Das Konzept des "Niemandslandes" schloss die Menschen nicht
mit ein. Obwohl es für viele Siedler zu einer wesentlichen Doktrin
wurde, bezog man es hauptsächlich auf die Zivilisation. Das bedeutet,
dass es die Mission des weißen Mannes war, diese Lücke zu
füllen, im Sinne von Landbebauung und Zivilisierung der "Eingeborenen"
in den Fällen, in denen ihre Existenz nicht einfach geleugnet wurde.
Obwohl sowohl Israel als auch Südafrika von der Prämisse
der zivilisatorischen Mission ausgingen, übernahmen sie später
auch das Konzept des "Niemandslandes" im demographischen Sinne.
Vertreter des Zionismus zögerten nicht, die geschichtlichen Fakten
zu verdrehen, als sie die Parole "Ein Land ohne Volk für ein
Volk ohne Land" ausgaben. Das heißt, dass das moralische
Recht, das auf dem Alten Testament basierte, auch durch historische
Erwägungen unterstützt wurde. Das bedeutet erstens, dass Palästina
das einzige Land ist, das die Juden als ihre historische Heimat betrachten,
und zweitens, dass es keine anderen Menschen als die Juden gibt, die
Palästina als ihre Heimat betrachten. Verbunden damit ist die Behauptung,
dass sich das Land, nachdem die Römer die Juden aus Palästina
deportiert hatten, in eine Wüste verwandelte, ohne positive Funktion
und ohne zivilisatorische Entwicklungen. Die zionistische Denkweise
erklärt, dass die ImmigrantInnen im Zuge der zweiten jüdischen
Einwanderungswelle keine Ansätze wirtschaftlichen oder kulturellen
Fortschritts vorfanden. Eine ähnliche Logik wurde auch von den
Siedlern in Südafrika übernommen. Sie erstellten eine Chronologie
der Ankunft verschiedener Gruppen in Südafrika, die damit übereinstimmt.
Als 1652 die holländischen Besiedlungswellen in der Kapregion
einsetzten, war die Region von Hottentotten und Buschmännern bewohnt.
Als Folge des demographischen Drucks und der Krankheiten, die durch
die holländischen Siedler eingeführt wurden, verschwanden
die Hottentotten nach und nach, während die Buschmänner, nachdem
sie von den Buren unterworfen worden waren, überlebten. Als es
den weißen Siedlern im 19. Jahrhundert gelang, das Landesinnere
Südafrikas zu besetzen, starteten sie eine Kampagne gegen die Stämme
der Bantu, die einen langen Prozess der Emigration nach Süden begonnen
hatten und die Region, die heute Südafrika genannt wird, vor den
Holländern erreichten.[9]
Um ihre Kampagnen in Afrika zu rechtfertigen, behaupteten die europäischen
Siedler, dass sie nicht nur auf den Erwägungen der rassischen Überlegenheit
beruhten, sondern auch die Botschaft der Zivilisation zu den unterentwickelten
Völkern brachten. Aber die Buren und die Juden stellten sich nicht
im gleichen Ausmaß dem Problem, Rassismus und Zivilisierung zu
verbinden. Die Erklärung liegt darin, dass sie sich in der Tiefe
ihres Herzens als "von Gott auserwähltes Volk" fühlen,
welches durch eine schreckliche Prüfung ging. Sie erlebten die
Zerstreuung und standen zahlreichen Gefährdungen und Unsicherheiten
gegenüber, bis sie in das versprochene Land zurückkehrten.
Als sie ihre Rettung erlangten, nahmen sie sich das Recht heraus, Herrschaft
über andere auszuüben.[10]
c) Die Werte des Pioniertums und der Könnerschaft
Sowohl Israel als auch Südafrika (und Siedlerstaaten
im Allgemeinen) basierten nicht nur auf dem Konzept der zivilisatorischen
Mission des Weißen Mannes. Sie weiteten ihre Legitimierungsversuche
aus, indem sie die Werte des Pioniertums und der materiellen Errungenschaften
in der neuen Region herausstrichen. Die ersten europäischen Siedler,
ob in Palästina oder in Südafrika, sahen sich selbst als Pioniere,
die kamen, um das Land zu entwickeln. Sie brachten die europäischen
Vorstellungen der produktiven Landnutzung mit sich und wandten diese
Konzepte an, um zu kultivieren, was sie als braches Land betrachteten
[11].
J. Botha, ein prominenter Vertreter der Regierung der weißen Minderheit
in Südafrika, behauptete, dass der weiße Mann durch Abenteurertum
und Anwendung der europäischen Fertigkeiten die öde Wüste
urbar machte und Industrien schuf, um seinen Bedarf zu stillen und das
Land zu entwickeln [12] .
Durch diese schöpferischen Anstrengungen stützten die holländischen
und zionistischen Siedler die Behauptung einer sinnvollen Besetzung
der von ihnen erlangten Gebiete. In vollster Bewunderung ihrer Errungenschaften
stellten sie sich vor, dass die indigenen Völker in Südafrika
und Palästina als Ergebnis ihrer Nachlässigkeit das Eigentumsrecht
auf ihr Land verloren hätten [13].
d) Das Recht auf Selbstbestimmung
Ein anderer wichtiger Punkt, um die Perspektive der Siedler in Israel
und Südafrika zu verstehen, ist die Behauptung, dass sie nicht
zu den expansionistischen Siedlerprojekten gehörten. Sie behaupteten
vielmehr, dass sie Vertreter nationaler Befreiungsbewegungen seien.
In diesem Sinne fasste Herzl die Legenden des Zionismus zusammen, indem
er darauf bestand, dass es das Recht einer "nationalen" Minderheit
sei, die Würde
des Menschen zu verteidigen, und dass der "Judenstaat" seiner
Meinung nach die einzige Lösung des Problems des "Antisemitismus"
sei [14].
Der gleichen Logik folgend sagte Molder, der frühere Minister für
Information und Inneres in Südafrika, dass die politische Motivation
in Südafrika nicht der Kolonialismus sei, sondern der Nationalismus
der Afrikaaner, der Nationalismus der weißen Afrikaaner, da Nationalismus
nicht das Monopol einer Farbe sei [15] .
Obwohl an den Staaten kritisiert wurde, dass sie Siedlerphänomene
seien, sahen sich die jüdischen Siedler in Israel und die Weißen
in Südafrika selbst als Opfer der Unterdrückung seitens kolonialistischer
Staaten. Sie fügten hinzu, dass sie einen gewalttätigen, blutigen
Kampf führten, um sich der Herrschaft des britischen Kolonialismus
zu entledigen. Die Weißen in Südafrika kämpften die
Burenkriege, und die Juden in Palästina bekämpften die britische
Besatzung in den späten 30er und während der 40er Jahre des
20. Jahrhunderts. Der frühere britische Premierminister Harold
MacMillan (1957-63) rief 1960 in seiner berühmten Rede über
"the winds of Change" in Afrika vor dem südafrikanischen
Parlament aus: "Es wird in unsere Geschichte eingehen, dass Sie
den ersten Afrikanischen Nationalismus repräsentieren."[16]
Im Lichte dieser Aussage strich die Zeitung "Die Broger" heraus,
dass die Afrikaaner "das Jahrhundert der Feindschaft zum Kolonialismus
eröffneten, durch ihren Kampf für Freiheit und gegen den britischen
Kolonialismus, und so ein Beispiel setzten für die anderen Völker
der Welt unter dem Kolonialismus."[17]
In ähnlicher Weise galt auch die Emigration nach Palästina
im zionistischen Denken als eine Bestrebung, "ein besetztes Land"
zu befreien. So könne dies nicht als Kolonisierung oder Besiedelung
dargestellt werden, sondern vielmehr als Rückgabe von Land an seine
Besitzer. Das Land wäre tausende Jahre zuvor ungerechtfertigterweise
und illegal besetzt worden. Es wäre Zeit für sein Volk, es
davon zu befreien. Im Lichte dieser Wahrnehmung wurden der Krieg von
1948 und die Vertreibung und Verstreuung der Palästinenser aus
ihrer Heimat als "Befreiung von besetztem Land" und als Werk
einer "nationalen Befreiungsbewegung" beschrieben.[18]
3) Die Legitimität des Politischen Systems
der Siedler
Das Konzept der "Legitimität des Siedlerstaates" konzentriert
sich auf die Legitimität des Besiedlungsprozesses durch die Siedler.
Es schließt ihr Verhalten und ihr Verhältnis zu den ursprünglichen
Landbesitzern mit ein. Es ist verbunden mit dem Prozess, der mit der
Emigration und der Landnahme begann und mit Kriegen um einen eigenen
Staat endete. Das ist in Van den Bergs Theorie der "Demokratie
des Auserwählten Volkes" reflektiert. In der Praxis bedeutet
es das Phänomen der "zivilisatorischen Dualität".
a) Das Phänomen der zivilisatorischen Dualität
Die Hypothese der zivilisatorischen Dualität macht einen wesentlichen
Teil der Philosophie und Ideologie des Kolonialismus im Allgemeinen
und des britischen Kolonialismus im Speziellen aus. Es war nicht ungewöhnlich,
dass Konzepte wie die zivilisatorische
Mission der kolonialistischen Mächte bei der Bestimmung von Regionen
berücksichtigt wurden, die unter Mandatschaft oder Trusteeship
Rule in Übereinstimmung mit dem Völkerbund oder der Charta
der Vereinten Nationen standen. Das rassistische Konzept ist die verdeckte
Grundlage des Konzeptes der zivilisatorischen Dualität in den verschiedenen
Formen des Kolonialismus, und Israel und Südafrika sind Beispiele,
wo das auch offen gezeigt wurde.
Beide Staaten übernahmen das Konzept des "auserwählten
Volkes". In diesem Konzept schloss die Dualität des politischen
Systems die Umsetzung von zwei Prinzipien ein: 1) Das Prinzip der rassischen
Überlegenheit und 2) das Prinzip der rassischen Reinheit.
Für Israel umfasst das die Bemühung, einen reinen "Jüdischen
Staat" zu errichten. Für Südafrika bedeutete das die
Politik der "getrennten Entwicklung". Die Bedingungen des
demographischen Verhältnisses zwischen Siedlern und Indigenen waren
bestimmend für die Unterschiede zwischen den beiden Staaten. In
beiden Fällen nutzten Zionisten und Buren die Sprache, die Religion
und den spezifischen Lebensstil, um eine unterschiedliche göttliche
Aufgabe hervorzustreichen. Als Ergebnis davon wurden ethnische Isolierung
und Loyalität zur Siedlergemeinschaft an sich zu Zielen. Seit Beginn
der Besiedlung sahen die weißen Siedler niemals die Notwendigkeit,
ihre rassistische Politik zu rechtfertigen. Die Theoretiker des Rassismus
in Südafrika sagten, dass es unmöglich sei daran zu denken,
dass die afrikanischen Völker die vorherrschende westliche Kultur
annehmen könnten. Dr. Mallan, der Führer der Nationalen Partei,
erklärte in seinem Wahlkampf 1948, dass gewählt werden könne
zwischen weißer Herrschaft, rassischer Reinheit und christlicher
Zivilisation oder dem schrittweisen Untergang im Meer der Schwarzen [19] .
Als seine Partei die Wahlen gewonnen hatte, kündigte er die Umstellung
der Politik von Vormundschaft und weißer Dominanz als Herrschaftsbasis
auf die Politik der getrennten Entwicklung an. Die rassistische Politik
Israels stimmt in ihrem Wesen mit jener Südafrikas überein.
Aber die Propaganda und der formale Rahmen sind unterschiedlich. Zum
Beispiel gibt es in Israel zusätzlich zu einer offiziellen Vertretung
in der Knesset eine begrenzte Anzahl von PalästinenserInnen, die
offizielle Posten einnehmen oder in Institutionen der Regierung arbeiten.
Aber diese PalästinenserInnen sind ungefährlich, und ihre
Loyalität zum Siedlerstaat ist garantiert. Diese Form der Tarnung
und die Ermutigung für konservative und kollaborierende Teile unterscheidet
sich nicht von der in Südafrika angewendeten Form der Unterstützung
bestimmter Chiefs afrikanischer Stämme. Azmi Bisharas Beispiel
ist dahingehend sicherlich eine Ausnahme [20] .
Der Haltung der Buren und der Zionisten, sie seien unabhängige
rassische Einheiten, genauso wie sie zur weißen Rasse und zur
westlichen Zivilisation gehören, wurde in vielen Aussagen ihrer
Führer ausgedrückt. Ihre Selbstwahrnehmung war in mancher
Hinsicht eine Ausweitung der Selbstwahrnehmung der westlichen und speziell
der britischen Eliten, die eine wesentliche Rolle in der Errichtung
der beiden Staaten spielten. Besonders muss auf die Rolle von Lord Balfour
hingewiesen werden.
Als das britische Parlament, um die Buren zufrieden zu stellen und das
Empire zusammenzuhalten, das Gesetz über die Union von Südafrika
verabschiedete, wussten die Führungen der liberalen und konservativen
Parteien, die für das Gesetz stimmten, dass damit das britische
Parlament auf das Recht verzichtete, zugunsten der afrikanischen Bevölkerung
in Südafrika zu intervenieren. Somit wurde die Mehrheit der indigenen
Bevölkerung der Gnade der Weißen ausgeliefert. Schließlich
war es die Rechtfertigung von Lord Balfour, die das Problem löste.
Er wandte sich an die Mitglieder des Parlaments und sagte, dass sie
"den Eingeborenen in Südafrika nicht die gleichen Rechte geben
könnten wie den Weißen, ohne die gesamte Struktur der weißen
Zivilisation umzustoßen." [21] .
Unter dem Einfluss der Mythen der rassischen Rechte der Siedler zögerten
die Unterzeichner der Balfour-Deklaration nicht, die muslimische und
christliche Mehrheit in Palästina, die mehr als 90% der Bevölkerung
ausmachte, als "nicht-jüdische Gemeinden" zu bezeichnen.
Mit anderen Worten wurde damit die Mehrheit der indigenen Bevölkerung
praktisch und gnadenlos in eine Minderheit umgewandelt und als minderwertig
eingestuft, im Namen der höherstehenden Rechte, die die europäische
zusätzliche Bevölkerung genoss. Da also die Verteidigung der
Zivilisation, die die westlichen, die zionistischen und afrikaanischen
Eliten mit der westlichen Zivilisation verbanden, vor allem unter den
Bedingungen außerhalb des Westens, wie in Israel und in Südafrika,
die Einheit des weißen Mannes erfordert, bedeutet das die permanente
Unterwerfung der indigenen Bevölkerung, in diesem Fall des palästinensischen
und der afrikanischen Völker. Das bedeutete auch, dass diese Eliten
die Werte der Zivilisation des weißen Mannes als ausreichende
Rechtfertigung dafür sahen, der indigenen Bevölkerung die
Rechte und Freiheiten zu verweigern. Sowohl Israel als auch Südafrika
sind hinsichtlich ihrer historischen Errichtung und ihrer Entwicklung
in drei Phänomene einbezogen, die trotz ihrer Unabhängigkeit
auch zusammenhängen. Es ist notwendig, zwischen ihnen zu unterscheiden,
um ein besseres Verständnis für die internationale Lage jedes
Staates zu bekommen.
Sie können wie folgt aufgezählt werden:
1. Das Phänomen der Kolonisierung
Das umfasst die Bewegung einer Gruppe von Menschen in ein neues Land
und ihren Versuch, ohne Zusammenleben mit der ursprünglichen indigenen
Gesellschaft, den Eigentümern dieses Landes, ein Teil desselben
zu werden. Das schließt die Entwurzelung all dessen mit ein, was
vor dem Besiedlungsprozess zu dem Land gehörte, seien es die Menschen,
sei es die Kultur, mit dem Ziel, einen unabhängigen, reinen Staat
für die Siedler zu schaffen.
2. Das Phänomen der territorialen Expansion
Das bedeutet - rückgreifend auf die Parole der Nazis - "Lebensraum".
Es ist der Versuch, den kolonialistischen Einfluss auszuweiten und die
das neue Gebilde umgebenden Gemeinschaften einzudämmen, nicht durch
Vernichtung, sondern vielmehr durch Hegemonie, auf
einer Basis, die als "regionale Supermacht" bezeichnet werden
könnte. Im Gegensatz zum ersten Phänomen ist hier die Landbesetzung
zur Errichtung von Siedlungen ein weniger wichtiger Faktor. Sie kann
aber als Mittel zur Stärkung und Unterdrückung auf regionaler
Ebene verwendet werden, oder für Verhandlungen im Versuch eine
Siedlung zu festigen. So basiert das zweite Phänomen auf einem
ökonomischen Eindringen, bei dem die militärische Macht und
technologische Überlegenheit die Säulen sind, die den politischen
Herrschaftsprozess tragen.
3. Das Phänomen des kolonialistischen Maklers
Das ist eines der Modelle und Instrumente des Neo-Kolonialismus.
Dadurch wurde die Siedlerstruktur zu einem Werkzeug des fremden Einflusses
in der Arabischen Region und in Afrika. Dieses Phänomen drückte
sich aus, indem sowohl Israel als auch Südafrika vom Westen dazu
verwendet wurden, die Rolle von Polizisten zu übernehmen, die ökonomische
und strategische Interessen in der jeweiligen Region sichern sollten
[22].
So bezieht die Außenpolitik beider Staaten ihre Legitimität
aus der Tatsache der Ablehnung durch die arabischen und afrikanischen
Staaten. Ein großer Teil der Ressourcen der beiden Staaten wird
deshalb verwendet. Diese Bedeutung wird klar, wenn die Effekte auf die
regionale Umgebung mit in Betracht gezogen werden.
Was Israel und Südafrika kennzeichnet ist nicht nur die Ablehnung
der regionalen Umgebung, sondern auch die Verbindung dieser Ablehnung
mit der Siedlernatur der beiden Staaten. Die Beziehung zwischen diesen
beiden Phänomenen wird durch eine Reihe von Wahrnehmungen und Verhaltensweisen
im Zusammenhang mit der Siedlergruppe gezeigt.
Erstens wird durch den Rassismus der Siedlerstrukturen nicht nur die
Würde der indigenen Bevölkerung erniedrigt, sondern auch die
geokulturelle Region, in der diese Strukturen eingesetzt wurden.
Zweitens gibt es in der Region ein Gefühl von Unsicherheit aufgrund
der militärischen und ökonomischen Fähigkeiten der Siedlerstaaten,
zusätzlich zur Tatsache, dass sie in einer Allianz zu den Weltmächten
stehen, die sehr oft gegen die Bestrebungen und Interessen der Menschen
in der Region handeln.
Drittens macht die Natur der Siedlergemeinschaften und ihre psychologische
Verfasstheit sie in den frühen Phasen ihrer Entwicklung eher fähig
zu gewalttätigem Vorgehen, zum Wagnis und eher vorbereitet Gewalt
anzuwenden. Das manifestiert sich in den Akten der Aggression und territorialen
Expansion, die sowohl von Israel als auch von Südafrika ausgeführt
wurden.
Viertens ist die psychologische Verfasstheit der Siedlergemeinschaft
auch durch Schizophrenie und Schwankung charakterisiert. Einerseits
fühlen sich die Mitglieder der Siedlergemeinschaft unsicher, und
unter ihnen wird ein Gefühl von Gefahr gehegt, andererseits wird
das übertragen in expansionistische Entwürfe und aggressives
Denken.
Diese Dualität beleuchtet die Sehnsucht nach Frieden, die es unter
manchen Siedlern gibt, die vergessen, dass ihre Anwesenheit und der
Charakter der Struktur, der sie angehören, die historische Quelle
für den Konflikt und die Abwesenheit von Frieden ist. Es wird auch
unterstrichen durch den Versuch der herrschenden Elite, die erkennt,
dass Gewalt das grundlegende Instrument des Siedlerstaates ist, die
Siedler zu weiteren Akten der Aggression gegenüber der indigenen
Bevölkerung zu animieren.
4) Israelischer Zionismus: Was für eine Zukunft?
Diese Studie basiert auf der zentralen These, dass der Siedlerstaat,
wie er sich in Israel und in Südafrika darstellt, von einer einzigen
theoretischen Perspektive aus analysiert werden kann, basierend auf
dem "Siedlerphänomen". Diese zentrale These verzweigte
sich im Zuge der Analyse in zwei komplementäre Annahmen. Erstens
gibt es bestimmte Charakteristika, die in Verbindung mit dem in den
Siedlerstaaten vorherrschenden politischen System stehen. Diese Charakteristika
leiten sich vom historischen Erscheinen und der sozialen Zusammensetzung
dieser Staaten ab. Zweitens sind diese Charakteristika als Ergebnis
einer Anzahl interner Faktoren (z.B. Wechsel von Generation zu Generation,
Wechsel der wirtschaftlichen Faktoren, die Entwicklung der gesellschaftlichen
Struktur, die Interessen verschiedener politischer Kräfte) und
externer Faktoren (wie die Haltung der indigenen Bevölkerung, die
Haltung der umliegenden Staaten, Trends in der internationalen Ordnung,
sei es bei den Supermächten oder in der öffentlichen Meinung)
Veränderungen ausgesetzt.
Es folgt eine Betrachtung der Ergebnisse dieser Studie in Bezug auf
die zwei Thesen für Israel und Südafrika aus der Perspektive
einer Zukunftsanalyse:
1 - Erste These:
Die Besonderheit des politischen Systems
Die Studie hat gezeigt, dass die "Siedlernatur" die grundlegende
Determinante der in Israel und in Südafrika herrschenden gesellschaftlichen
Struktur ist. Es ist diese Natur, die den Charakter und die gesellschaftlichen
Beziehungen in den beiden Staaten bestimmt und somit eine Einordnung
als politisches Siedlersystem rechtfertigt.
Es gibt drei damit in Verbindung stehende Ergebnisse:
a) Der grundlegende Widerspruch im Siedlersystem
ist jener zwischen den Siedlern und den ursprünglichen Besitzern
des Landes.
Wenn die Siedlernatur die wesentliche Variable im politischen System
darstellt, die das Wesen des Systems und der Wechselwirkungen bestimmt,
dann ist dieser grundlegende Widerspruch der wesentliche Antrieb des
politischen Systems. Die rassistische Siedlernatur stellt das System
in Widerspruch zur ursprünglichen Gesellschaft. Es ist eben dieser
Widerspruch, der alle wirtschaftlichen, sozialen, politischen und psychologischen
Bedingungen der Siedlergemeinschaft beherrscht. Die Lösung von
Unterschieden und andere Probleme sollten deshalb im Rahmen dieses grundsätzlichen
Widerspruchs betrachtet werden, der eine Vielzahl von Folgen hat, die
nicht vernachlässigt werden dürfen.
b) Die Erscheinung der Dualität auf der Ebene
der politischen und regionalen Systeme.
Das Auftreten dieses Grundwiderspruchs im System erfordert die Untersuchung
des Phänomens der "Dualität" auf der politischen
Ebene. In diesem Fall ist sie durch eine Art Schizophrenie gekennzeichnet,
da ein bestimmtes System in der Siedlergemeinschaft auftritt und ein
anderes System die Beziehungen zu den ursprünglichen Landbesitzern
bestimmt. Das könnte die deutlichen Widersprüche zwischen
dem Auftreten von liberalen politischen Werten, einschließlich
Parteien, Pressefreiheit, Redefreiheit, unter den Siedlern auf der einen
Seite und die Errichtung eines militaristischen und imperialistischen
Systems in Bezug auf die indigenen Landbesitzer auf der anderen Seite
erklären.
Dualität charakterisiert das politische System und wird auch auf
einer anderen Ebene eingeführt, und zwar auf der Ebene des regionalen
Systems. Das Siedlersystem repräsentiert im Allgemeinen eine Insel
des wissenschaftlichen, des technologischen und des wirtschaftlichen
Fortschritts in einem Umfeld allgemeiner Rückständigkeit.
Die Bedeutung dessen wird klar, wenn die Auswirkungen auf das regionale
Umfeld in Betracht gezogen werden.
c) Die Tendenz des Siedlersystems zur Verbindung
mit dem Mutterland.
Die Grundlage dieser Tendenz wird durch die Isolation und den Boykott
bestimmt, die aus der Situation auf der örtlichen und regionalen
Ebene hervorgeht, zusätzlich zu den Erscheinungen der kulturellen,
historischen, technologischen und religiösen Differenzen, die Israel
und Südafrika dazu bringen, mit dem Westen als "Mutterland"
in Verbindung zu bleiben. Der Grund dafür
ist, dass die Erfahrungen des modernen Siedlerkolonialismus im Allgemeinen
ein Teil der Versuche sind, die westliche kapitalistische Herrschaft
in der ganzen Welt durchzusetzen.
Diese drei Folgen bestimmen das Wesen des "anachronistischen Problems",
das die spezifische missliche Lage ausmacht, in der sich die Siedlerstaaten
auf politischer, sozialer, ethischer und internationaler Ebene befinden.
Dieses Problem verbindet nicht nur die Wesenszüge der existierenden
politischen Systeme in Israel und in Südafrika, sondern zeigt sie
auch als Widerspiegelung einer anachronistischen Erscheinung, welche
eine Verletzung zahlreicher Gesetze der Gesellschaftsentwicklung und
historischer Trends darstellt, speziell aus der Sicht der neuen Perspektiven
in der internationalen Ordnung nach dem ersten Weltkrieg. Die Klärung
dieses Problems erfordert eine Unterscheidung zwischen dem Konzept des
"Fait Accompli" und dem Konzept der "geschichtlichen
Realität". Die Grundlage dafür ist, dass "Fait Accompli"
nicht unbedingt die allgemeine Bewegung der Geschichte repräsentiert,
während die "historische Realität" der Punkt ist,
an dem sich Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft treffen.
2 - Zweite These:
Formen der Veränderung und Kontinuität
Wenn man das Verhältnis zwischen Veränderung und Kontinuität
in Bezug auf Israel untersucht, ist es hilfreich, die historische Analogie
zwischen den Kreuzzügen und der zionistischen Besatzung in Palästina
heranzuziehen. Die Ähnlichkeiten in der Zusammensetzung der individuellen
Strukturen, die aus drei grundlegenden Elementen besteht, führte
in komplexen Wechselwirkungen zum Ende des Abenteuers der Kreuzzüge
und könnte auch zum Zusammenbruch des israelischen Siedlerstaates
in der arabischen Welt führen, genauso wie der rassistische Staat
in Südafrika zusammengebrochen ist. Erstens gibt es die Besonderheiten,
die den fremden Siedlergruppen eigen sind, zweitens gibt es Besonderheiten
auf der arabischen Seite, und drittens gibt es die Beziehungen der fremden
Siedlergruppe zur übrigen Welt.
Studien, die vom israelischen Historiker Aharon Ben
Ami durchgeführt wurden, zeigten, dass die Veränderungen,
die durch diese drei Faktoren verursacht wurden, zum Scheitern der Kreuzzüge
führten. Insbesondere meinte er damit die Stagnation der Kreuzrittergemeinden
und ihre Unfähigkeit sich zu erneuern, das Vorherrschen von unflexiblem,
traditionellem Denken unter ihren Mitgliedern und die wachsenden Fähigkeiten
der arabischen Bevölkerung. Die Führer der Kreuzzüge
waren unfähig, das richtig zu bewerten, und es gelang ihnen nicht,
sich entsprechend diesen Veränderungen zu entwickeln. Möglicherweise
führte auch der Abbruch der Kontakte zwischen den Kreuzrittern
und der übrigen Welt zum unvermeidlichen Ende der Invasion. Dementsprechend
konzentrieren sich israelische Wissenschafter darauf, Politiken und
Lösungen zu entwickeln, die ihre Führung anwenden kann, um
die Ursachen für das Versagen der Mission der Kreuzzüge zu
vermeiden [23] .
Drei Schlüsse können aus dem Vergleich zwischen der Invasion
der Kreuzritter und dem zionistischen Siedlerkolonialismus in Palästina
gezogen werden. Ähnliche Resultate zeigten sich auch in Südafrika,
bis es endlich vom rassistischen Regime befreit wurde.
Das Problem von historischen Siedlerstrukturen wurde in einer von zwei
Formen gelöst:
1. Das Amerikanische Modell
Der grundsätzliche Widerspruch zwischen den Siedlern und der indigenen
Bevölkerung wurde durch die vollständige Dominanz der Siedler
und die Ausrottung der indigenen Besitzer des Landes gelöst. Natürlich
geschah das unter internationalen Rahmenbedingungen, die Invasion, Eroberung
und Besatzung gestatteten.
Tatsächlich ist Kolonisierung eines der Rechte von Großmächten.
2. Das Algerische Modell
Der grundsätzliche Widerspruch zwischen den französischen
Siedlern und der algerischen Bevölkerung wurde gelöst, indem
die Siedlerstruktur aufgelöst wurde und die Siedler in ihr Mutterland
abgezogen wurden. Das wurde unter anderen internationalen Umständen
und durch den Druck der Befreiungskriege im Land vollzogen, die von
den nationalen Widerstandsbewegungen geführt wurden.
In der aktuellen internationalen Ordnung und angesichts der lokalen
und regionalen Kräfteverhältnisse, die traditionellen Kolonialismus
zurückweisen und Verletzungen der Völkerrechte und der Grundrechte
verurteilen, kann der Konflikt zwischen den zionistischen Siedlern und
den indigenen PalästinenserInnen weder durch Ausrottung wie in
den USA, noch durch Abzug der Siedler wie im Falle Algeriens gelöst
werden.
Eine der am häufigsten vertretenen Lösungen basierte auf
der Teilung des Landes unter der Garantie, in Übereinstimmung mit
dem internationalen Recht die natürlichen und erworbenen Rechte
jeder Seite zu sichern. Dieser Rahmen wurde allgemein anerkannt, da
gedacht wurde, dass er ein Minimum an legitimen Rechten für die
indigene Bevölkerung bedeutet und gleichzeitig die erworbenen Interessen
der Siedlergenerationen garantiert, die akzeptieren, in Frieden mit
der indigenen Bevölkerung zusammenzuleben. Das ist das afrikanische
Modell, das in den Fällen von Zimbabwe und Südafrika umgesetzt
wurde, wo der grundlegende Widerspruch durch die Ausschaltung der rassistischen
Regime gelöst wurde.
Aber Israel, der einzige existierende Siedlerstaat, lehnt selbst diesen
grundlegenden "Kompromiss" der indigenen Bevölkerung
ab. Es gibt zwei Gründe, weshalb es diesen Standpunkt einnimmt.
Erstens nimmt es sich selbst als eine starke militärische Festung
wahr, die von den Staaten der Region nicht einfach herausgefordert werden
kann. Der zweite Grund bezieht sich auf die unbegrenzte materielle und
moralische Unterstützung, die es von den herrschenden Mächten
der Welt bekommt, die diesen Siedlerstaat (Israel) als wesentliches
Instrument sehen, um die weltweiten kapitalistischen Interessen in der
Region aufrechtzuerhalten.
In diesem Rahmen erscheint die neo-imperialistische Besiedlung, die
den Siedlerstaat im Wesentlichen aufrechterhält, ihm aber durch
regionale Abkommen auf Kosten der indigenen palästinensischen Bevölkerung,
die das grundlegende Recht auf Selbstbestimmung hat, eine formale Legitimität
gibt. Deshalb gibt es keine gleichen und ausgewogenen "Rechte"
für die zwei Seiten in diesem Konflikt. Stattdessen gibt es eine
Art hierarchisches Arrangement von Rechten, in dem Sinne, dass die indigene
Bevölkerung zu Bürgern zweiter Klasse wird, mit einem gewissen
Grad an Autonomie in der Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten. Indem
die Siedler durch diese rassistischen Konzepte dazu veranlasst wurden,
sich in diesen Gebieten niederzulassen und sie dadurch aufrechtzuerhalten,
gelangten sie selbst an die Spitze der Pyramide.
Die drei einander überlappenden Erscheinungen
des israelischen Siedlerstaates (Siedlerkolonialismus, territoriale
Expansion und das Phänomen des kolonialen Maklers) stimmen mit
den Bestrebungen der Hegemonialmächte der Welt, angeführt
von den USA, nach beständiger Kontrolle und Ausbeutung der Region
überein. Der Siedlerstaat wird als feste, unverrückbare Basis
betrachtet, die bei Bedarf genutzt werden kann, da sie ein Teil der
westlichen Welt ist. Gleichzeitig spielen die häufigen Aggressionsakte
dieses Staates gegen die anliegenden Staaten eine wichtige Rolle, um
von seinem ursprünglichen Siedlercharakter abzulenken und neue
imperialistische Niederlassungen zu erzwingen. Er erfüllt die Ziele
der Weltordnung, der Kontrolle und der Ausbeutung im politischen, ökonomischen
und militärischen Bereich. Die akzeptierten Übereinkünfte
der Besiedlung des Westens, um den Kampf gegen den Siedlerkolonialismus,
wie er in der Region erfahren wird, zu erklären, wurden zu einer
tatsächlichen Last und brachten die Interessen der weltweiten hegemonialen
Ordnung in der Region in ernsthafte Gefahr. Diese Übereinkünfte
stellen nicht länger das geeignetste Mittel dar, um die westlichen
Interessen zu sichern.
Wie es aussieht, erachten es die globalen Kräfte des Imperialismus
als notwendig, für Israel die Rolle eines Expertisenzentrums in
der arabischen Region zu übernehmen, anstatt mit ihrer früheren
Aufgabe als Polizist, der nur sich selbst dient, fortzufahren. Dieses
Expertisenzentrum ist als "Supervisor" notwendig, um die Entwicklung
der Region zu überwachen, um sicher zu sein, dass sie nicht die
Grenzen überschreitet, die das imperialistische System ernsthaft
in Frage stellen könnten. Die Besiedlung dient nunmehr dazu, dass
Israel eine wesentliche Rolle im Dienste des Neokolonialismus spielt,
anstatt seine wesentliche Funktion im Dienste des alten Imperialismus
auszuüben.
Der Artikel von Dr. Magdy Hammad ist erschienen in:
Daud, A.: "The Israeli Law of Return and its Impact on the Struggle
in Palestine". Palestinian Return Centre, London, 2004.
Übersetzung aus dem Englischen:
Perspektive Süd
1. Stevens, R."Settler
States and Western Response: Israel and South Africa" S. 167-168,
in: Jabara, A. und Terry J.(Hrsg.): "The Arab World from Nationalism
to Revolution", The Medina University Press International, Wilmette-Illinois
1971 und Stevens, R. und Elmissiri, A.: "Israel and South Africa:
The Progression of a Relationship - Revised Edition" S.18, North
American, New Jersey, 1977.
2.
Elmessire, A.: "Zionist Apologetics and the White Man´s Burden",
in: ebenda, S.18-20
3.
Welty, G.: "The Rise and Fall of the Settler Colonial Regime",
Artikel präsentiert auf der 10. Jahresversammlung der Association
of Arab-American University Graduates, Southfield (Detroit), Michigan,
21. Oktober 1977
4.
Van den Berghe, Pr.: "Race and Racism" S. 29,Wiley, New York,
1967.
5.
Childers, E.: "The Silent Desire, from Citizens to Refugees"
S. 183-222 in: Abu-Lughod I. und Abu-Laban B. (Hrsg.): "Settler
Regimes in Africa and the Arab World", The Medina University Press
International, Wilmette-Illinois, 1974.
6.
Farley D. und L.: "Israel and South Africa: Parallels and Linkages",
Artikel präsentiert auf der Jahresversammlung der Middle East Studies
Association, New York 9-12. November 1977
7.
Verblovski, G. Z.: "The Land of Israel and the Israelis" S.
14 in: Saigh, A. (Hrsg.): "From Contemporary Zionist Though".
PLO Research Center, Beirut, 1971
8.
Farley D. und L. siehe oben
9.
Marquard, L. "The Story of South Africa S.17-79, Oxford University
Press, London, 1954.
10.
Bissel, R.: "Apartheid and International Organisations" S.2,
Westview Press, Boulder-Colorado, 1977.
11.
Farley, D. und L. siehe oben
12.
Botha, J.: "Progress Through Separate Development - Fourth Edition".
S.14. International Service of South Africa.
13.
Farley D. und L. siehe oben
14.
Rabi, H.: "Lectures in the Political Decision Making in Israel".
S.52. Universität Kairo, College of Economics and Political Sciences,
Kairo, 1970.
15.
zitiert aus: Farley D. und L. siehe oben
16.
Munger, E.: "Afrikaner and African Nationalism: South African Parallels
and Parameters", S.4, Oxford University Press, London, 1967.
17.
zitiert aus: ebenda S.5.
18.
Prittie, T.: "Eshkol of Israel: The Man and the Nation", S.
80, Museum Press, London, 1969.
19.
Widner, D.: "The History of Sub-Saharan Africa. Vol. 1. Übersetzung
ins Arabische von Ali Ahmed Fakhri und Shawki Ataullah Al-Jamal, Sijil
Al-Arab Foundation, Kairo, 1976.
20.
Farsoun, S.: "Settler Colonialism and Herrenfolk Democracy",
S. 32. in: Stevens, R und Elmessiri A. siehe oben.
21.
zitiert aus R. Stevens S.4-5. siehe oben
22.
Für genaueres siehe Dr. Magdy Hammad: "The political system
of settlements - A comparative study between Israel and South Africa",
Dar al-Wahda, Beirut 1981. (arabisch)
23.
Ben Ami, A. siehe oben
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